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Wie du mithilfe von Typografie sofort bessere Texte gestaltest

Um ein Druckerzeugnis zu gestalten, benötigst du Typografie-Grundkenntnisse. Claudia Schreiner, Typografie-Expertin und Teamleiterin der Druckvorstufe in der Medienfabrik Graz, hat uns ihre Top 10 Tipps der Typografie verraten.

Bild von Händen die auf einen Laptop tippen

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Unsere 10 Tipps

1. Gestalte deine Message leserlich

1. Gestalte deine Message leserlich

Die beste Botschaft nützt nichts, wenn sie bei den Lesern nicht ankommt. Unterschieden werden kann in puncto Lesbarkeit zwischen Fließtexten und Eyecatchern.

Bei Fließtexten geht es vor allem darum, dass das Erfassen des Textes für den Lesenden besonders angenehm ist. Dazu tragen unter anderem auch abgestimmte Zeilenhöhen und Abstände bei.

Eyecatcher, die den Blick des Betrachters auf eine bestimmte Stelle lenken sollen, sind von den Kriterien der Lesbarkeit ausgenommen. Hier dürfen Designer kreativ werden und bewusst mit dekorativen Schriften und Irritationen spielen.

Grundsätzlich gilt also: Für Fließtexte gut lesbare Schriftarten auszuwählen und bei Logos oder anderen Eyecatchern tiefer in die Trickkiste zu greifen. Zu den gut lesbaren Schriftarten zählen unter anderen die altbekannten Times New Roman, Garamond, Arial, Calibri, wobei Serifen bei langen Texten angenehmer fürs Auge sind als serifenlose Schriften. Nicht ohne Grund greifen Bücher oft auf Serifenschriften zurück. Serifenlose Schriften wirken hingegen moderner.

Darstellung von Schriftarten: Times New Roman, Garamond, Arial, Calibri
2. Hierarchien sind noch immer angesagt

2. Hierarchien sind noch immer angesagt

Sowohl Web- als auch Printtexte benötigen Hierarchie. Dafür bedient man sich im Web an den Überschriften, die bekannten H1, H2 und H3. Die logische Unterteilung macht es Suchmaschinen leichter, Artikel im Web zu finden. Offline helfen sie den Lesenden bei langen Texten am Ball zu bleiben oder bei der gewünschten Stelle einzusteigen.

Wie wir Text hierarchisch gliedern hängt auch von dem Medium ab, für das er gedacht ist. Bei Printprodukten wie Flyern oder Plakaten spielt Hierarchie eine andere Rolle als bei Broschüren und Zeitungen. Broschüren und Zeitungen bedienen sich vor allem an dem Prinzip der Überschriften. Um bei Flyern oder Plakaten, die meist sehr viel weniger Text enthalten, eine Struktur zu schaffen und die wichtigsten Eckdaten hervorzuheben, helfen Kontraste.

Bild von einer Person die eine Hierarchie-Diagramm anschaut
3. Kontraste, Kontraste, Kontraste

3. Kontraste, Kontraste, Kontraste

In der Typografie geht es auch darum, bewusst Kontraste zu schaffen. Fette, kursive oder reguläre Ausprägungen einer Schriftfamilie werden in der Typografie als Schriftschnitte bezeichnet. Entgegen einiger Meinungen unterstützen sie nicht bei der Lesbarkeit eines Textes, sondern sind lediglich dazu da Textpassagen auszuzeichnen. Durch Styling-Techniken wie Größe, Gewicht, Farbe oder Position der Schrift können visuelle Hierarchien geschaffen werden.

Du bist besonders mutig? Dann kombiniere zwei kontrastierende Schriften miteinander! Durch die Kombination einer Serifenschrift mit einer serifenlosen, kannst du deinem Text Aussagekraft und Aktualität verleihen. Dabei ist zu beachten, dass keine der beiden Schriftarten deutlich dünner oder dicker als die andere sein soll.

'Lorem Ipsum' in verschiedenen Fonts
4. Spieglein, Spieglein an der Wand – Wie du den Satzspiegel richtig einsetzt

4. Spieglein, Spieglein an der Wand – Wie du den Satzspiegel richtig einsetzt

Bei textlastigen Printprodukten – wie Broschüren, Magazinen und Büchern – ist es sowohl für die Optik als auch für die Lesbarkeit wichtig, einen Satzspiegel und einen Gestaltungsraster zu definieren. Außerdem erleichtern beide das Arbeiten enorm.

 

Der Satzspiegel ist die rechteckige Nutzfläche der Seite, die später mit Texten und Bildern befüllt wird. Wobei es auch Elemente gibt, die außerhalb davon stehen können, wie
z. B. die Paginierung (= Seitenzahl). Ganz wichtig ist es, dass der Satzspiegel in ästhetischem Verhältnis zur Seite angelegt wird. Dafür gibt es verschiedene Techniken, wie die Verwendung von diagonalen Linien, der Proportionen des Seitenformats oder auch die Verwendung eines Rasters. Als Faustregel kannst du aber annehmen, dass der Abstand zwischen Satzspiegel und Seitenrand (= „Steg“) bei einem harmonisch wirkenden Printprodukt im Bund am kleinsten ist, oben größer ist als im Bund, außen größer ist als oben und unten größer ist als außen.

Darstellung vom Satzspiegel
5. Nutze den Gestaltungsraster

5. Nutze den Gestaltungsraster

Der Gestaltungsraster entsteht, wenn du den Satzspiegel weiter in Spalten und Zellen unterteilst. Er hilft beim Anordnen von Texten und Bildern im Satzspiegel. Ein Layout hat eine andere Wirkung, je nachdem, ob es ein- oder mehrspaltig ist – deswegen sollte diese Entscheidung gut überlegt sein. Bei einem einspaltigen Layout solltest du beachten, dass die Zeilen nicht zu lange sein dürfen, damit das Auge den Text mühelos erfassen und zur nächsten Zeile finden kann.

Darstellung von einem Grundraster
6. Setze die Schriftsatzarten richtig ein

6. Setze die Schriftsatzarten richtig ein

Bei den Schriftsatzarten unterscheidest du zwischen Blocksatz und Flattersatz. Der Blocksatz wird hauptsächlich in der Buch- und Zeitungstypografie eingesetzt. Alle Zeilen beginnen und enden horizontal in einer Linie, mit Ausnahme der letzten, kürzeren Zeile. Auch wenn er die erste Wahl für Buch-Layouts ist, solltest du kurze Texte in Büchern – wie Überschriften und Aufzählungen – trotzdem nicht in Blocksatz setzen, da dabei unschöne Löcher entstehen, die den Lesefluss und die Optik stören. Grundsätzlich musst du beim Blocksatz auch im Fließtext darauf achten, dass keine zu großen Löcher entstehen, eventuell musst du hier händisch nacharbeiten.

Darstellung von Blocksatz im Vergleich mit Flattersatz

Beim Flattersatz sind die Zeilen unterschiedlich lang, es gibt ihn in asymmetrischer (linksbündig und rechtsbündig) und in symmetrischer Form (zentrierter Satz). Der Flattersatz eignet sich gut bei kürzeren Texten, wie z. B. auf Flyern und Plakaten, aber auch für Überschriften. Der zentrierte Flattersatz wird auch gerne für Gedichte verwendet. Ein harmonischer Flattersatz zeichnet sich grundsätzlich dadurch aus, dass sich kurze und lange Zeilen abwechseln. Aber auch hier darf natürlich händisch nachgearbeitet werden, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten und etwas mehr Dynamik zu erzeugen.

7. Was es bei den Umbruchregeln zu beachten gibt

7. Was es bei den Umbruchregeln zu beachten gibt

Wenn ein optisch ansprechendes Design gezaubert wurde, ist es letztendlich noch die Qualität des Text-Umbruchs, die ein professionelles Printprodukt ausmacht. Wichtig ist dabei natürlich – wie der Name schon sagt –, dass keine falschen „Umbrüche“ enthalten sind. Aber nicht nur falsche Silbentrennungen, sondern auch unvorteilhafte Teilungen sollten, wenn irgendwie möglich, vermieden werden. Zum Beispiel sollten Datumsangaben, Uhrzeiten oder Maßangaben nicht durch einen Zeilenumbruch getrennt werden, aber auch Titel sollten nicht in einer anderen Zeile als der Name stehen.

Darstellung von falscher Umbruchregel

Weitere Umbruchregeln besagen, dass niemals eine Zeile alleine am Anfang oder am Ende einer Seite stehen darf (= Witwe, wenn allein am Anfang der Seite, = Waisenkind, wenn allein am Ende der Seite). Es müssen mindestens zwei Zeilen sein, denn sonst ist der Lesefluss gestört. Außerdem ist eine Zeile allein unvorteilhaft für die Ästhetik.

Natürlich gibt es noch jede Menge weiterer Regeln, wie z. B. wann ein kurzer Divis zum Einsatz kommt und wann ein etwas längerer Halbgeviertstrich verwendet wird. Alle hier zu nennen würde aber definitiv den Rahmen sprengen. 😉

8. Wenn schon falsch, dann bitte einheitlich falsch!

8. Wenn schon falsch, dann bitte einheitlich falsch!

Wenn man schon länger in der Druckbranche tätig ist, dann sieht man im Laufe der Jahre natürlich die verschiedensten tollen Projekte, aber leider auch sehr viele No-Gos. Was definitiv zu den ganz großen „Verbrechen“ gehört? Wenn die Umbruchregeln nicht klar durchgezogen werden, also alles uneinheitlich ist. Wenn die Anführungszeichen z. B. immer verkehrt sind, dann fällt das nicht so negativ auf, wie wenn richtige und verkehrte Anführungszeichen bunt durchgemischt sind. 

Bild von dem Text 'No-Go'

9. Vertraue auf Experten

Typografen setzen ihr ganzes Herzblut in die Kreation von neuen Schriftarten. Das Deformieren von Schriftarten sollte daher auch tunlichst vermieden werden. Nicht umsonst gibt es für die meisten Schriften eigene Schriftschnitte. Wenn du deine auserkorene Schrift also etwas schräg stellen oder fett machen möchtest, solltest du zuvor recherchieren, ob es einen passenden Schriftschnitt gibt.

Calibri in verschiedenen Schriften: Light, Light Italic, Regular, Italic, Bold, Bold Italic
10. Verfolge die Trends, aber setze sie gewissenhaft ein

10. Verfolge die Trends, aber setze sie gewissenhaft ein

Trends sind schön und gut, doch genau so schnell wie sie aus dem Boden sprießen, verschwinden sie auch wieder. Kannst du dich noch erinnern, als Comic Sans der Renner war? Seitdem ist schon viel Wasser die Mur hinuntergeflossen. Mittlerweile wird diese Schrift im Web ironisch als Synonym für veraltetes Design verwendet. Was wir mit dieser Anekdote bezwecken wollen? Überlege dir, welchem Zweck dein Vorhaben dient und für wie lange die Botschaft relevant sein wird. Bei einem Flyer für dein nächstes Event kannst du unbeschwert auf eine trendige Schrift setzen, wohingegen du bei einer Corporate Typografie eventuell nach etwas Zeitloserem suchst.

Bild von Buschtaben in einem unorganisierten Haufen

Geschaft!

Wenn du diese Tipps berücksichtigst, hast du schon eine Menge richtig gemacht.
Viel Erfolg bei der Umsetzung deines nächsten Projekts! :-)

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